Dienstag, 13. September 2011

Über Selbstdisziplin und Ziele

Seit ich zurück aus der Klinik bin, beschäftigen mich viele Fragen...
Was will ich erreichen? Was kann ich? Wie soll mein Leben aussehen?

Meine Krankheit ist nicht weg. Das funktioniert so einfach nicht...Ich habe hart daran gearbeitet und mache jeden Tag weiter. Zum Teil mache ich Rückschritte und dann wieder Fortschritte, so ist das nun einmal.
Aber das wichtigste ist: es bewegt sich etwas.

Manchmal denke ich, es macht doch alles keinen Sinn und ist absolut lächerlich.
Ich bin eine 21 Jährige Frau, die Angst hat alleine Tram zu fahren, die in einem Museum das sie liebt eine Panikattacke bekommt und die sich meistens am liebsten zu Hause verkriecht.
Und das ironischse daran ist, dass dies alles absolut nicht meiner Persönlichkeit entspricht!
Ich bin eine unternehmungslustige Person, ich liebe Flohmärkte und Konzerte, ich Reise gerne, bin impulsiv, ich mag es neue Leute kennen zu lernen und bin schlagfertig.
Und vor allem weiss ich was ich will!

Doch diese Krankheit hat mich gedämpft! 
Ich habe mich zu Hause eingeigelt und mich verschlossen. Mein Selbstvertrauen ist von Tag zu Tag geschrumpft. Ich war immer nur unzufrieden und traurig.

Seit dem 14. Juni hat sich viel verändert. Manchmal sehe ich es selbst nicht und bin frustriert. Aber wenn ich mich konzentriere, die Veränderungen zu sehen, dann klappt es..
Ich konnte an meinem ersten Tag in der Klinik nicht einmal alleine Blumen, die ich geschenkt bekommen habe, am Empfang abholen. Ich hatte Schwierigkeiten eine Runde durch den Garten zu gehen. Es war zu anstrengend für mich, mich mit anderen zu Unterhalten.

11 Wochen später ging ich alleine (bis zu 10 Stationen) Tram fahren, ich konnte wieder alleine einkaufen gehen, ich lernte wieder für mich selbst einzustehen, ich konnte stundenlang mit lieben Menschen zusammen sitzen und quatschen, ich konnte mit Tizi zusammen an einen Flohmarkt gehen, ich konnte einen Kaffee trinken gehen....


(Foto aus der Klinikzeit: Beim Tram fahren)

Ich tendiere dazu mich immer mit den anderen zu vergleichen, und dann ist das natürlich alles total normal und unspektakulär. Aber das schiebe ich jetzt einmal beiseite und bin ein bisschen stolz.

Wieder zurück zu Hause zu sein ist nicht einfach.
Man ist mit vielen alten Problemen konfrontiert. Aber ich versuche das Gelernte umzusetzen.

Ich brauche sehr viel Selbstdisziplin. Ich leiste jeden Tag harte Arbeit, und setzte mich bewusst mit meinen Problemen auseinander. 


(Lieblingsfoto von Tizi und mit aus der Klinikzeit)

Heute Morgen habe ich zum ersten Mal wieder einen längeren Spaziergang alleine gemacht. Dies tu ich jetzt jeden Tag um halb 9. Es ist eine tolle Art in den Tag zu starten, ich übe schon mal das Gassi-gehen (zurzeit noch ohne Hund ;)), es ist gleich schon eine Exposition und ich bewege mich!
Super oder?
Wenn ich das Haus verlasse fühlt es sich wie ein riiiiesen Schritt an, deswegen ist es jedes Mal ein Erfolg, wenn ich es gemacht habe!

Ich möchte mich hier auf dem Blog weiterhin auf die schönen Momente des Lebens konzentrieren, aber ich möchte auch authentisch sein.
Ich möchte andere Leute ermutigen, ihre Probleme anzugehen und sich nicht zu schämen. 
Falls jemand von euch ähnliches durch macht, will ich, dass du weisst; du bist nicht alleine!
Und vor allem möchte ich euch mitgeben, dass man aus jeder Situation etwas machen kann und sogar etwas positives daraus gewinnen kann!


Love,

Lotta


Kommentare:

  1. ach, sara! so schön, das zläse! ich wünsch dr, dass de witerhin die chliine schritt dörfsch goh - und vorwärts cho! danke, dass de do au anderi ermuetigsch - so chunnt scho sehr viel vo dim eigentliche charakter zum vorschiin! :-) weiter soooo! ^^

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  2. ooou - und das foti vo dir und em tizi - yeeees! was füre smile! :-D ;-)

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  3. ich finde es persönlich unglaublich, dass du es schaffst jeden tag mit einem persönlicher abenteuer zu beginnen und dir zu beweisen, dass du mehr kannst als deine krankheit. Schließlich definiert dich diese nciht und du lässt es dich selbst und die ganze welt wissen. Das finde ich tapfer und mutig, weil du gegen etwas kämpfst wobei dir keiner helfen kann außer dir selbst!
    Und es gibt gra keinen grund sich mit anderen zu vergleichen, es ist nie ein guter anhaltspunkt, was andere tun und lassen. die einzig wichtigen veränderungen sind schließlich die eigenen. Und dazu muss man sein altes ich mit dem heutigen gegenüber stellen. wenn du das tust, bin ich mir sicher, dass du erkennst, dass du einen riesenschritt gemacht hast.

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  4. Total Shöner post :)

    Du hast es recht, angst zu haben ist uberhaubt nicht etwas über sich zu shämen.

    Es ist wunderbar wie du erwachsen hast :)  

    P.S.  Es tut mir leid, ich weiß mein deutsch ist ganz schlecht, aber ich muss üben!

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Hallo! Schön das du dir die Zeit nimmst und mir einen Kommentar hinterlässt.
Bloss nicht schüchter sein, ich freue mich sowieso! Wenn du mir sonst lieber (oder auch) auf anderem Wege eine Nachricht hinterlassen möchtest, tu das via sara.bisonni@bluewin.ch

<3